So war das Swiss Epic 2017 – Hammertrails, perfekt organisiert, was will man mehr?

11. – 17. September 2017 / Käthy Eisenhut und Iris Bechtiger

Vielleicht etwas wärmeres Wetter, aber das ist auch nur ein Detail! Denn wie heisst es so schön? Es gibt kein schlechtes Wetter nur falsche Kleider. Also über das eine oder andere warme „Tschööpli“ wäre ich nicht traurig gewesen. Das sechstägige Etappenrennen Swiss Epic durch das Wallis offenbarte uns wie schon 2014 und 2016 punkto Trailanteil und Bikeeindrücken wiederum alles was möglich ist. Wir sind immer noch daran die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Einmal mehr eine sehr eindrucksvolle Erfahrung auf den 350km und 12000hm bei der vierten Austragung.

 

Einfacher als die Jahre zuvor – dafür KALT!!!

In den vergangenen Austragungen fanden wir die Strecken teils anspruchsvoller und länger, vorallem die Anstiege waren diesmal ziemlich zahm und die Veranstalter wählten hier sehr oft Asphalt und Schotter mit moderaten Steigungen, doch juhuii auf der letzten Etappe rund um Zermatt stellten sie uns noch so richtig schmackige Rampen in den Weg. Jaja EPISCH halt. Dafür setzte uns in diesem Jahr die Kälte extrem zu und mit diesem Element hatten wir sehr oft zu kämpfen. Wir wussten manchmal nicht was wir jetzt anziehen sollen und ich hätte doch gerne etwas wärmer gehabt.

 

 

Prolog in Grächen mit Start auf der Hannigalp

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Ready, Steady, Go und los gings, zuerst knapp 400hm ziemlich steil den Berg hoch und ich musste schon ziemlich keuchen und kurz vor dem Kulminationspunkt lief ich ziemlich im roten Bereich. Ich musste mich in der langen, technischen Abfahrt ziemlich anstrengen um die Konzentration zu behalten. Die Abfahrt war vom Feinsten und ja wir konnten uns auf die Woche freuen, denn der Prolog wiederspiegelt so quasi die Anforderungen des ganzen Epic’s. Zu unserer Freude landeten wir auf dem fünften Rang, was uns ein Plätzchen auf dem Podest bescherte.

 

Etappe 1 – nach Leukerbad

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Eine lange Etappe mit 92km und 3000hm stand nach dem kurzen Prolog vom Vortag auf dem Tagesprogramm. Es war alles dabei, von Kalt am Morgen über Heiss in den Aufstiegen, Wind und Kälte auf den Gipfeln, Gegenwind im Rhonetal, Regen auf dem Weg nach Leukerbad, Singletrailrausch vom Feinsten, Spitzkehrenspektakel bis zum Abwinken, Rampenaufstiege, Höhenwege und am Schluss die Ankunft im Bade-Kurort Leukerbad. 6 Std. und 46 Minuten brauchten wir für die Königsetappe und erreichten das Tagesziel als 6. Frauenteam.

 

Etappe 2 – Wir sind schwindelfrei

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Die zweite Etappe mit 71km und 2500hm war der Tag der Rebberge und der Hängebrücke. Der Start für uns um 9.15 Uhr. Zuerst ging es zur Torrentbahnstation und noch etwas weiter hoch, bevor es dann in die erste wirklich spassige Abfahrt nach Albinen abbog. Viel zuschnell waren wir auf der Strasse die uns via Rumeling auf die andere Talseite brachte und wir über den Felsenweg nach Varen kamen. Die untere Suone bei Varen war, wie viele Suonen im Wallis, ziemlich ausgesetzt und mit vielen Wurzeln gespickt, aber ein ziemliches Erlebnis diese im Renntempo zu absolvieren.

Unten in Sierre ging es dann hinauf Richtung Vercorin und dann via einen ziemlich ausgesetzten Downhill hinab zum Einstieg auf die Hängebrücke von Niouc, der höchsten Bungy-Brücke Europas. Ich muss sagen es war hoch, wackelig und ziemlich eng und wir hatten einen Stau, was uns eine etwas längere Aufenthaltszeit auf der Brücke bescherte, es reichte sogar für den einten oder anderen Blick in die Tiefe. Fazit: Der Windelpack wurde nicht gebraucht und wir können von uns sagen: Wir sind schwindelfrei – jawohl!

Zurück im Talboden ging es durch den Pfynwald nach Leuk und dann hinauf durch den verbrannten Wald nach Albinen. Dieser Aufstieg zog sich am Schluss noch ziemlich in die Länge und es rollte auch nicht mehr so flüssig. Im Gegenteil wir mussten uns in Acht vor der Plattenhexe nehmen, den es waren ziemlich viele Steine mit elend scharfen Kanten auf dem Trail. Es ging aber alles gut und wir erreichten Leukerbad als 6. Frauenteam in einer Zeit von 5 Std. 07 Min.

 

Etappe 3 – Regen oder doch Föhn?

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Da  richtig mieses, nasses und kaltes Wetter angesagt war, wurde von den Organisatoren die Strecke und die Startzeiten angepasst. So war kein Start auf der Rinderhütte im “Zeitfahr-Modus” sondern früh am Morgen in Leukerbad, wo es zuerst hinauf auf die Majienalp ging. Der Regenradar meldete Regen ab 8.30 Uhr und nicht wenig, so entschied ich mich für ein warmes, winddichtes und langärmliges Unterleibchen. Pünktlich zu unserem Start setzte dann der Regen ein und es war eher frisch, doch im Aufstieg hatten wir schön warm. Auf dem Trail zurück nach Leukerbad hatten wir schon etwas nasse Verhältnisse, aber es war doch noch erstaunlich griffig und so hatten wir recht Spass. Je weiter wir dann Richtung Rhonetal fuhren, verbesserte sich das Wetter, die Sonne kam zum Vorschein und es wurde ziemlich warm. Der liebe Föhn, war also nicht im Wetterradar vertreten und somit auch nicht auf meiner Kleiderauswahl. Im anschliessenden Aufstieg hinauf nach Albinen und dann zur Alp Chermingon, litt ich ziemlich in meinem Windstopper-Unterhemd, was mich bewog es auzuziehen, was aber postwendend mit einem Regenguss quittiert wurde. Bei der Verpflegung in Albinen machte ich dann ein weiteres Mal Tenüwechsel und zog alles wieder an, um dann im nächsten Aufstieg wieder Schweissausbrüche zu kriegen. Mano man, was für ein Mist aber auch. Iris hatte definitv die bessere Wahl mit den Ärmlingen getroffen und so blieb ihr auch Zeit den wunderschönen Regenbogen zu fotografieren.

Als wir endlich oben auf Chermingon waren, kam ein Traverse-Trail hinüber zur Torrent-Mittelstation und nun gab der Föhn auch langsam ab und der Regen setzte ein. Die Downhills waren in den Waldpartien noch ziemlich trocken und recht gut fahrbar. Ausserhalb von den schützenden Tannen aber rutschig und ziemlich schwierig zu fahren. Nach 3 Stunden und 31 Minuten erreichten wir das Ziel in Leukerbad, wo der Himmel dann endgültig die Schleusen öffnete.

 

Etappe 4 – Kalt und frostig auf dem Weg nach Zermatt

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Beim Start waren die Temperaturen um den Gefrierpunkt, die Wiese mit starkem “Reifen” überzogen und es war einfach arschkalt. Das erste Hindernis, die Holzrampe raus aus dem Startgelände, mussten bereits die Profis zu Fuss absolvieren. Das kann ja heiter werden, zum Glück ging es erstmals 300 Höhenmeter den Berg hoch, doch je höher wir kamen, desto kälter wurde es. Der erste Downhill runter nach Albinen war dann aber doch noch recht griffig und auch die Gehrig-Twins zischten an uns vorbei, war das ein Highlight!

Unten im Rhonetal angekommen wechselten wir die Talseite und wir mussten höllisch aufpassen, dass wir uns nicht ständig verfuhren, ich glaube die Kälte hat unser Hirn schockgefroren. Auf jedenfall war ich schon lange nicht mehr so froh, als es endlich wieder aufwärts ging. Der Hauptanstieg des Tages stand an, dieser führte gespickt mit kurzen Abfahrten zwischendurch, praktisch 30km berghoch, Zeit um endlich warm zu werden. Doch je höher wir kamen, desto kälter wurde es wieder. Irgendwann waren wir dann oben und die lange Abfahrt hinunter ins Mattertal stand an. Diese war einfach EPISCH – Hammertrails und Serpetinen, die richtig flowig waren, von mir aus hätte diese gut und gerne noch etwas länger andauern können, denn ab Kalpetran ging es nur noch aufwärts. Zuerst mit einem stetigen Auf- und Ab der Bahn und dem Bach entlang mit ziemlich fiesen Rampen gespickt. Speziell auch die Passage beim Felssturz von Randa und dann noch eine flachere Passage nach Täsch bevor es dann hinauf nach Zermatt zum Tagesziel ging.

Wir erreichten nach 6 Stunden und 19 Minunten wiederum als 6. Frauenteam das Ziel und freuen uns nun auf die Finale Etappe von morgen Samstag. Hoffentlich wird es nicht zu kalt werden, irgendwie sind wir uns an die Kälte noch nicht gewohnt.

 

Etappe 5 – Finale rund um Zermatt

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Am letzten Tag galt es nochmals richtig in die Pedalen zu treten und die 45 km und 1’900 hm rund um Zermatt zu meistern. Wieder war es extrem kalt am morgen und oben umhüllte eine dichte Wolkendecke die Berge. Zuerst mussten wir den Anstieg via Furi hinauf zum Schwarzsee unter die Stollen nehmen, es galt 14km und knapp 1’000 hm zu bewältigen die Rampen teilweise extrem steil, zwischen durch konnten wir sogar noch das Matterhorn sehen, bevor es dann für immer hinter den Woken verschwand. Am Fusse dieses imposanten Berges kommt man sich schon ganz klein vor. Oben auf dem Schwarzsee, auf 2’583m, dem höchsten Punkt des ganzen Epics, verpflegten wir uns gut, bevor wir in den Downhill hinunter zum Furi stachen. Die Trails zurück nach Zermatt kannten wir und so konnten wir bald den Aufstieg hinauf nach Findeln in Angriff nehmen. Zuerst entledigten wir uns aber von den Schuhüberzügen und den Regenjacken und warfen diese bei unserem Hotel in den Garten, mittlerweilen war es angenehm warm.

Ich merkte, das ich mental ziemlich müde war und ich musste mich richtig den Aufstieg raufpushen, zum Glück kannte ich das Gelände und die Strecke hatte ich mir anhand des Tractalis-Tracker eingeprägt, so dachte ich zu wissen wie weit es noch hoch ging. So kam die letzte steile Rampe vor der Seilbahnstation und die 10km Marke doch immernoch ging es noch hoch und hoch und hoch. Mir reichte es langsam, diese 200 Extrahöhenmeter waren nicht auf dem Plan und taten meinem Kopf überhaupt nicht gut. Ich musste mich echt sammeln um nicht gleich die Nerven zu verlieren und zu allem Elend begann es noch zu schneiden. Von Kalt zu Warm zu Schnee, naja… Dann endlich waren wir oben und konnten via Riffelalp auf einem nochmals richtig pannenanfälligen Trail, gespickt mit lauter Querrinnen aus scharfem Schiefer runter nach Zermatt cruisen. Der letzte Trail im Wald kannten wir vom Prolog vom Vorjahr und dort liessen wir es nochmals richtig sausen und kamen wiederum als 6. Frauenteam in Zermatt im Ziel an. Rico und Elisabeth empfingen uns – welche eine Freude.

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Wir sind glücklich und zufrieden, dass Swiss Epic gefinisht zu haben und blicken auf eine erlebnisreiche Woche zurück. Das Swiss Epic 2017 ist bereits wieder Geschichte und wir sind mit unserem sechsten Gesamtrang super happy. Die Rennkilometer zusammen mit Iris machten einmal mehr extrem Spass und wir konnten auch wieder auf unsere gute Seele Elisabeth Stark zählen. Jeden Abend genossen wir eine rundum Massage und unsere Muskeln wurden für den kommenden Tag wiederhergestellt. Tausend Dank Elisabeth. Danke auch an Kari und Rico – dank euch konnten wir eine unvergessliche Woche im Wallis erleben. Ein weiteres Dankeschön geht an VESTO und an Valis Bikeshop, das Material war einfach 1a und eure Unterstützung ebenfalls.