Finisherberichte Zürich-Zermatt

Das grosse Saisonziel ist bereits Geschichte, die Saison abgeschlossen und somit bleibt sehr viel Zeit für zb. den letzten Rennbericht rechtzeitig zu schreiben übrig. Die vier Jungs haben von Zürich nach Zermatt viel erlebt und lassen uns an ihrem Highlight teilhaben.

Bericht von Marcel Gabathuler, Solist

Mitte September stand nun das grosse Rennen an. Beinahe 290 km und über 6’000 hm müssen am Rennen von Zürich nach Zermatt an der Chasing Cancellara bewältigt werden. Mitten in der Nacht, in meinem Fall um 02.02 Uhr, war mein Start ins Ungewisse. Noch nie habe ich eine solche Strecke absolviert und ich war mir alles andere als sicher, die Herausforderung zu meistern. Mein Ziel war nicht, die Strecke so schnell wie möglich, sondern überhaupt zu schaffen. Der Start ins Rennen nach nur gut drei Stunden Schlaf im Vesto-Bus gelang gut. Während den Nachtstunden versuchte ich, konzentriert und im Grundlagenbereich zu bleiben. Ein Sturz oder Defekt wäre alles andere als optimal gewesen. Die ersten beiden grösseren Übergange (Glaubenbielen und Brünig) brachte ich gut hinter mich und ich machte mich zuversichtlich auf den Weg zum Grimselpass. Ab Innertkirchen spürte ich dann doch die fehlenden ganz langen Trainings und es wurde mehr und mehr eine reine Kopfsache. Immer öfters musste ich einen Halt einlegen um die Batterien wieder ein wenig aufzuladen (mit Kaffee, Berliner, Käse, Bouillon…). Einen Aufsteller gab‘s auf dem Grimselpass, da sich just auf der Passhöhe der Nebel lichtete und uns das Wallis mit viel Sonne begrüsste. Von Ulrichen bis nach Visp sollte es gemäss Streckenprofil eigentlich abwärts gehen, doch dort angekommen, musste ich feststellen, dass dem nicht so ist…immer wieder kamen kurze Gegensteigungen, welche mich ziemlich forderten. Wie dem nicht genug gewesen wäre, kam noch Gegenwind dazu. Als ich endlich in Visp ankam, war ich schon ziemlich am Anschlag. Von da an gab es jedoch kein Zurück mehr und irgendwie schaffte ich es, die letzten Höhenmeter nach Zermatt hochzufahren. Nach 14 h und 50 min erreichte ich erschöpft aber glücklich das Ziel in Zermatt. Rückblickend war es für mich ein unvergessliches Erlebnis und ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals wieder sowas machen werde. Derzeit mache ich mir darüber sowieso keine Gedanken, da erst mal die Pflege gewisser Körperstellen im Vordergrund steht…

Bericht von Patrick Heinze, Solist

Zürich – Zermatt, diese Strecke faszinierte mich vom ersten Augenblick an. Die Länge und vor allem die Höhendifferenz ist Neuland für mich. Zu der Länge und Höhe kam aber erschwerend dazu, dass windschattenfahren ab KM 40 untersagt ist.

Am Mittwoch um 19.45 Uhr trafen sich alle 500 Teilnehmer (300 Solo, 200 Teamfahrer) zum Briefing in Zürich. Startnummern, Leuchtwesten und diverse Sticker für das Velo wurden montiert und alles fahrbereit erstellt. Ein Teller Pasta als letzte feste Mahlzeit musste für die nächsten 24h auch noch reichen. Im Anschluss daran gab es zwischen 21.30 und 0.30 Uhr noch eine Mütze voll Schlaf im VW-Bus. Um 1:53:51 Uhr war für mich der Startschuss. Immer vier Fahrer wurden zusammen in die Nacht entlassen. Durch Zürich wurden wir mit schlecht sichtbaren Wegweisern und Motorradfahrern über die Strassen geführt. Schnell gab es grössere Gruppen, die gemeinsam die Strassen entlang rasten. Prompt verpasste unsere Gruppe einen Abzweiger und musste nach einiger Zeit wieder umkehren. Schon bald folgte der erste Aufstieg auf die Buchenegg und anschliessend weiter  zum ersten Verpflegungsposten in Schongau. Dabei hatte ich bereits 5km mehr auf dem Tacho als auf dem Roadbook geplant war. Wer aber gedacht hatte, es gehe anschliessend gemütlich bis nach Sursee, der hatte sich getäuscht. Der Veranstalter nahm durch den Kanton Zürich, Aargau bis nach Luzern jede erdenkliche Erhebung mit. Nach 67 km in Sursee hatten wir bereits 1‘400 hm zusammen.

Nun ging es weiter durch das Entlebuch Richtung Sörenberg. Das Windschattenfahren wurde weiterhin rege genutzt. Die Marschalls auf ihren Töffs liessen uns dabei auch gewähren. In angenehmer Steigung näherten wir uns Sörenberg. Immer wieder wurde auf den langen Steigungen  der lange Tatzelwurm mit roten Rücklichtern vor uns sichtbar. Der Blick zurück zeigte aber auch, dass hinter uns noch viele weitere Fahrer folgten. In Sörenberg  dann der  zweite Checkpoint mit Verpflegung. Langsam wurde es dabei Tag. Allerdings verdichtete sich der Hochnebel im folgenden Aufstieg zum Glaubenbielen auf 1‘611hm. In einer dicken Suppe fahrend, folgten wir der schmalen Strasse bis zum Sarnensee, mit dem nächsten Aufstieg zum Brünig. Mit anbrechen des Tages, kontrollierten die Marschalls das Windschattenfahren auch vermehrt und unterbanden es immer wieder. Via Meiringen ging es weiter zum nächsten Checkpoint in Innerkirchen bei Km 160. Mein beruhigendes Gefühl – Kontrollschluss an diesem Ort 12.00 Uhr. Und bei mir auf der Uhr ist erst kurz vor 9.00 Uhr, also noch genügend Zeit.

Der längste Aufstieg des Tages folgte jetzt. In den nächsten 28km steigt die Strasse 1‘450hm bis zum Grimselpass. In Sachen Aussicht gab es dabei gar nichts zu geniessen, denn vor lauter Nebel bekamen wir nicht einmal die Stauseen unterhalb vom Grimsel zu Gesicht.

Unterdessen sitze ich bereits über 8 Stunden auf dem Velo. So einiges macht sich bemerkbar. Die Hände werden langsam taub, im Nacken zwickt es immer wieder und überhaupt verspannt sich der ganze Körper zusehends. Glücklicherweise lichtet sich der Nebel in den letzen Kehren vor der Passhöhe und ich freute mich auf eine tolle Abfahrt ins Obergoms. Auf der Passhöhe gab es nochmals einen Kurz-Stopp um Gilet und Handschuhe überzustreifen, und schon konnten die letzten 100km in Angriff genommen werden.

Beim nächsten Checkpoint in Ulrichen liess ich mir doch ein wenig mehr Zeit. Stopfte die warmen Kleider in den Rucksack und füllte den Magen mit einem weiteren Gel. (Leider war die Verpflegung alles andere als Abwechslungsreich). Wer nun glaubt, bis nach Visp ginge es nur noch runter der täuscht sich gewaltig! In jedem Dorf im Obergoms hat es immer auch einen Gegenanstieg, die nach 200 km immer wieder aufs Neue so richtig in die Beine gehen. Meine Idee, die Beine bis zum finalen Aufstieg von Visp nach Zermatt zu schonen wird dabei jäh zunichte gemacht zumal auch noch Gegenwind aufkommt. Durch den dichten Verkehr von Brig und Visp zwängten wir uns dann bis zum Schlussaufstieg, der die letzen 1‘000hm einläutet.

Mit dem nötigen Respekt fahre ich die ersten – respektive die letzten Höhenmeter an, um die Beine nicht zu überfordern. Da ich aber Fahrer um Fahrer überhohlen kann, und sich meine Beine eigentlich ganz gut anfühlen, konnte ich während des ganzen Aufstiegs ein hohes Tempo beibehalten. Dennoch- oder gerade deswegen, kündigten sich auf den letzten Kilometern von Täsch -Zermatt langsam aber sicher die ersten Krämpfe an und in dosiertem Tempo erreichte  ich am Ende in 12 Stunden und 45 Minuten das Ziel in Zermatt.

In der Endabrechnung reichte die Zeit für den Rang 65 in der Overallwertung . Im letzten Aufstieg (8.5km) Täsch – Zermatt fuhr ich sogar auf Position 33.

Die Euphorie vom gelungen Finish liessen alle Beschwerden am Körper vergessen.

Bis auf das Verfahren nach dem Start ein gelungenes Rennen!

Bericht von Urs und Törsch, im Duo

Nach einer Auto-Anreise mit Pannenhilfe von TCS sind wir (Törsch und Urs) am Mittwochabend mehr oder weniger entspannt, nach Zürich angereist. Die Nachtruhe nach dem Breefing war kurz, denn der Start für Törsch war um 1.25 Uhr. Während Törsch pedalte, suchten Bea und Urs einen Parkplatz. Leider waren die vom Veranstalter angegebenen Parkhäuser gar nicht in Betrieb, was uns in ein zeitliches Problem manövrierte. So wurde der geplante Wechsel wohl oder übel einfach hinausgezögert. Bea, unsere Fahrerin konnte nichts für dieses PP-Problem. Ab da lotste sie uns souverän bis nach Zermatt. An dieser Stelle: nochmals besten Dank!

 

Die Strecke forderte uns einiges ab. Die tolle Kulisse auf dem Grimsel entschädigte aber alle zähen Meter. Gemäss Streckenprofil sollte es vom Oberwallis bis nach Visp nur noch abwärts gehen. Wer aber Törsch fragt – und bestimmt noch einige andere Teilnehmer – wird eines besseren belehrt.

Nach 11 Stunden und 54 Minuten erreichten wir gemeinsam Zermatt. Zermatt – im tollen Sonnenschein was unsere gute Laune noch bestärkte.

Fazit: Dieser Anlass hat potenzial. Für Teams aber sehr zu empfehlen.

Nach einigen Tagen Erholung mit den Familien, freuen wir uns auf die nächste Herausforderung.

Törsch und Urs