Alessia SOLO am TORTOUR-Sprint

Rennbericht Tortour SPRINT SOLO

Alessia Sträuli

Eine Herausforderung, die meinen Kopf und meine Beine nicht so schnell vergessen werden.

Mich an der Tortour anzumelden, war eigentlich ein ziemlich spontaner Entscheid. Der Ursprung dieses Entscheids, kommt vor allem davon, dass ich in letzter Zeit etwas Mühe habe, mich für Rennen zu motivieren. Gerade da dieses Jahr nicht gerade so verlaufen ist, wie ich mir das vorgestellt hatte. Deswegen wollte ich mich einer Challenge stellen, die mich auf eine neue Art und Weise herausfordert. Und da die Strecke über die Schwägalp führt, also quasi ein halbes Heimrennen, habe ich mich für die Sprint Distanz angemeldet.

264 KM mit rund 3300 HM, waren es an der diesjährigen Tortour in der Kategorie Sprint zu absolvieren. Ich war richtig gespannt auf diesen Event aber auch ein bisschen aufgeregt, ob das meine Beine und meinen Kopf wirklich meistern können. Ich war aber zuversichtlich und habe mich bereits am Freitag für den Check-In auf den Weg nach Zürich gemacht. Mein Fahrrad, mit der Startnummer und allen nötigen Reflektoren ausgerüstet, war bereit und auch ich habe mich am Abend noch ein letztes Mal mit einer grossen Portion Pasta gestärkt.

Es ist Renntag.

Wie geplant, bin ich eine Stunde vor meinem Rennstart im Startgelände Sihlcity eingetroffen. Da erwartete mich eine böse Überraschung. Die Startzeiten wurden am Abend zuvor noch geändert, ohne die Teilnehmer per Mail zu informieren. Ich war hellwach und habe mich dann in Hektik versunken fertig gemacht, Verpflegung und Plattenflickmaterial verstaut und bin dann etwas zu spät, Puls schon auf 180, beim Bike-Check angekommen. Es ging nochmals alles gut und ich hatte noch ein paar Minuten, zum Durchatmen, bevor es dann um 7.05 Uhr losging.

Die Morgenstimmung am Zürichsee war herrlich und ich konnte die ersten Kilometer richtig geniessen. Die Sonne spiegelte im See und ich war gespannt was mich der heutige Tag noch erwarten wird. Ich habe mich ganz gut gefühlt und die ersten Anstiege etwas zügiger, als erwartet in den Angriff genommen. Die Zeit verging sehr schnell, als ich dann nach drei Stunden im Hemberg, bei der ersten Timestation angelangt bin. Weiter bis nach Urnäsch, wurde man vom Alp Abzug überrascht. Inmitten der Kuhfladen und all den Kühen habe ich mich durchgeschlängelt, um dann den Anstieg auf die Schwägalp in Angriff zu nehmen. Hier habe ich zum ersten Mal meine Beine gespürt und merkte, dass die nicht mehr ganz so frisch waren. Als ich dann aber den höchsten Punkt erreicht habe, freute ich mich auf die Abfahrt.

Der nächste Anstieg nach Wildhaus war relativ flach, jedoch wollte er einfach nicht mehr aufhören und so hatte ich bereits schon nach ca. 110km ein grosses Tief. An einem Brunnen habe ich Wasser aufgefüllt, einen Gel genommen und mich zum ersten Mal gefragt, ob ich mir vielleicht zu viel zugetraut habe. Mit dem Gedanken, dass nach jedem Tief auch ein Hoch folgen und der Aufstieg auch einmal ein Ende haben muss, habe ich Wildhaus erreicht und mich auf die langersehnte Abfahrt gemacht.

In Buchs angekommen ist das eingetroffen, wovor ich mich fast schon am meisten gefürchtet habe. Ich habe mich in Buchs verfahren und den Abzweiger verpasst (Ist übrigens auch der Karte zu sehen). Ich habe kühlen Kopf bewahrt und zurück auf die Strecke gefunden, jedoch Zeit und Nerven verloren.

Viele Nerven hatte es auch bei all den Baustellen und damit roten Ampel auf der Strecke gebraucht. Und da ziemlich viele Autos unterwegs waren, gab es einige Wartezeiten, die nicht zu vermeiden waren. Nach einer Streckenänderung, die uns an der Timestation in Buchs angekündigt wurde, ging es weiter Richtung Walensee. Ich habe meinen Körper schon ziemlich gespürt und habe gehofft, dass ich die Höhenmeter noch überstehen werde.

Der leichte Gegenwind machte es mir beim Weg zurück nach Zürich nicht leichter, als dann der letzte Aufstieg vor mir lag. Dieser Feusisberg hatte es wirklich in sich. Ich getraue mich das fast nicht hier zu schreiben, aber da haben meine Beine nicht mehr mitgemacht und ich musste absteigen und einige Meter das Fahrrad hochschieben. Das hat mir wieder ausreichend Energie verschafft, dass ich das letzte Stück aufsteigen und weiterfahren konnte. In dem Moment wurde mir aber auch bewusst, dass ich es ins Ziel schaffen werde, und das hat mir die nötige Energie für die letzten kleinen Rampen gegeben.

Die letzte Abfahrt vor dem Ziel. Ich habe es (fast) richtig geniessen können, wenn da nicht noch dieser breite Traktor gewesen wäre, der mit 20 km/h die Landstrasse für einige Kilometer versperrt hätte. Die Freude habe ich mir trotzdem nicht nehmen lassen und bin super zufrieden ins Ziel eingerollt.

Etwas schlecht und schwindelig musste ich dann den Pommes und Burgerplausch überspringen. Was aber bleibt, ist ein Abendteuer, das ich gerne in Erinnerung behalte.

Rangliste